Fünf Fragen an Luc Weilandt

Luc Weilandt (19), HSV-Youngster und Nachwuchs-Talent im Rollstuhlbasketball, wird ab der kommenden Saison für die 2. Mannschaft der BG Baskets Hamburg auf Korbjagd gehen und ist seit diesem Jahr im Kader der U22-Herren-Nationalmannschaft dabei, mit der er bereits internationale Erfolge feiern konnte. Dies ist insofern ungewöhnlich, da Luc erst seit zwei Jahren Basketball spielt – und genauso lange Rollstuhlfahrer ist. Bei der Ausarbeitung eines individuellen Trainingsplans mit U22-Nationalcoach Peter Richarz haben wir mit Luc gesprochen.

BGKH: Luc, Du bist noch nicht wirklich lange Rollstuhlnutzer – wie bist Du zu Rollstuhlbasketball gekommen?

LW: Im Mai 2017 hatte ich einen Kletterunfall in Frankreich, bei dem ich mir die Wirbelsäule verletzt habe. Da ich ja auch Hamburger bin, bin ich direkt zur Behandlung und Reha ins BG Klinikum Hamburg nach Boberg gekommen. Ich war in der Zeit in der Sporthalle zum Training und bin dort auch Anne Patzwald begegnet (Anm. d. Red.: Anne Patzwald arbeitet als Ergotherapeutin im BGKH und ist zudem erfolgreiche Rollstuhlbasketballerin beim Bundesligisten der BG Baskets Hamburg). Sie ist Peer Koordinatorin hier im Haus, d.h., sie ist als Rollstuhlfahrerin Ansprechpartnerin für Frischverletzte während der ersten Zeit der Reha und begleitet darüber hinaus „Neu-Rollifahrer“ zurück im alltäglichen Umfeld. Sie hat mich ziemlich schnell animiert, doch mal ein paar Körbe mit ihr zu werfen und locker mit anderen Patienten zu spielen, das hat mich dann doch schnell begeistert und ich war seitdem recht angetan vom Rollstuhlbasketball. Direkt nach der Reha bin ich dann auch schon zum ersten Training der 4. Mannschaft der BG Baskets beim HSV mitgekommen und hab dann auch bald in der 3. Mannschaft mitgespielt.

BGKH: Hast Du vor Deinem Unfall schon Kontakt mit dem Basketballsport gehabt?

LW: Gar nicht, ich hab immer gerne Fitness gemacht, Schwimmen und ein wenig Volleyball, war aber eigentlich nie der Typ „Mannschaftssportler“. Dass ich jetzt so in einer Teamsportart aufgehe, hätte ich früher selbst nicht gedacht.

BGKH: Du hast im letzten Jahr trotz längerer „Reha-Pause“ Dein Abitur gemacht, bist in kürzester Zeit in einer neuen Sportart durchgestartet und studierst mittlerweile hier in Hamburg – nicht jeder besitzt die mentale Stärke, nach einem gravierenden Einschnitt im Leben so dynamisch und positiv nach vorne durchzustarten. Was gibt Dir Kraft?

LW: Ich denke, ich bin generell ein recht positiver Mensch und blicke immer nach vorne. Ich habe zum Glück ein gutes soziales Umfeld und meine Familie, durch welche ich von Anfang viel Unterstützung bekommen habe. Das Abi zu schaffen hat mir natürlich geholfen, motiviert zu bleiben, und so habe ich dann einfach geguckt, was noch geht, was mir Spaß macht und was mich persönlich weiterbringt – und das mache ich einfach. Ich studiere jetzt Psychologie und arbeite ehrenamtlich mit Kindern, was mir echt gut gefällt. Kunst und Kultur interessieren mich sehr, ich gehe gerne ins Museum, lebe mich auch selbst gerne kreativ aus usw. Natürlich hat jetzt der Sport, der mich auch vorantreibt, durch Basketball und das intensive Training momentan einen besonderen Fokus in meinem Leben.

BGKH: Seit diesem Jahr spielst Du auch in der U22-Nationalmannschaft und warst im Mai bei einem internationalen Turnier in Dubai dabei, bei dem ihr den dritten Platz geholt habt. Wo soll die sportliche Reise hingehen, was sind Deine Ziele?

LW: Ich freue mich natürlich, dass ich diese Gelegenheiten bekomme, in der Natio und in der 2. Mannschaft der BG Baskets zu spielen, aber momentan habe ich einfach total Bock auf den Sport. Ich will intensiv trainieren, Spaß haben und auf hohem Niveau spielen, das ist mir schon sehr wichtig. Ich merke immer wieder, wie ich durch den Sport ein Feuer für mich entfacht habe und es mich freut, mich in neue Situationen zu begeben, mich neuen Herausforderungen zu stellen und neue Grenzen zu finden, aber der Weg ist das Ziel. Mein Ziel ist es, noch leistungsstärker zu werden, noch mehr zu spielen und mich kontinuierlich zu verbessern. Ich finde es schwierig, große sportliche Ziele klar zu definieren, denn den Weg dahin, sei es eine Paralympics-Teilnahme, in der Bundesliga zu spielen oder sonstiges, muss man sich hart erarbeiten.

BGKH: Welche Unterstützung bekommst Du dabei seitens der Klinik und durch den HSV?

LW: Ich habe im BGKH die Möglichkeit, effizient zu trainieren und Ansprechpartner aus Therapie und Sport zu haben, die mich seit meiner Reha kennen und mich somit gezielt bei der Erstellung eines individuellen Trainings begleiten können. Auch bei technischen Fragen, was z.B. den Sportrollstuhl betrifft, kann mir hier im Haus geholfen werden. Außerdem finde ich hier neben Anne auch den Austausch mit anderen aktiven Basketballern der BG Baskets. Ali (Anmerkung der Red.: Alireza Ahmadi, Guard bei der 1. Mannschaft der BG Baskets) wohnt hier auf dem Klinikgelände und kommt ja auch regelmäßig zu unseren Trainings der 2. Mannschaft, so profitiert man auch von den Erfahrungen der Profis. Durch die Kooperation des HSV mit dem BGKH hatte ich somit von Anfang die richtigen Ansprechpartner und ich bin einfach dankbar, dass ich die Gelegenheit bekomme, diese sportlichen Wege zu gehen und dabei so viel Unterstützung zu erfahren.

BGKH: Vielen Dank für das Interview – wir wünschen Dir für Die Zukunft weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

Das Interview führte Malte Wittmershaus (Unternehmenskommunikation BG Klinikum Hamburg)

Foto: Stefan Quack / BG Klinikum Hamburg

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