„Es gibt nicht nur ein einzelnes Highlight“

Im Interview spricht Dr. Sascha Kluge über seine Erlebnisse als Teamarzt der HSV-Rollstuhlbasketballer, seine Funktion im Nachwuchs der deutschen Frauen-Nationalmannschaft und den Kontakt zu den BG Baskets während seiner Arbeit als Oberarzt im BG Klinikum Hamburg.

Moin Sascha, wie bist du in Kontakt mit der Sportart Rollstuhlbasketball gekommen und welches war das erste Spiel der BG Baskets Hamburg, das du gesehen hast?

Ich betreue die BG Baskets nun seit der Saison 2014/15. Damals habe ich die ambulante Betreuung von Sportlern bei uns im BG Klinikum Hamburg übernommen und eine Sportsprechstunde etabliert. Ich wurde dann gefragt, ob ich für die Betreuung zur Verfügung stehen würde, und so fing alles an. Welches das erste Spiel war, weiß ich aber ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau.

Welches Erlebnis ist dir seit deinen Anfängen bei den HSV-Rollstuhlbasketballern am stärksten im Gedächtnis geblieben?

Da gibt es eigentlich nicht nur Eines. Die engen Spiele gegen Trier waren beispielsweise immer Highlights. Oder der Buzzerbeater von Gaz Choudhry im Halbfinale gegen Lahn-Dill. Unvergesslich war auch unser Sieg in Wetzlar im vergangenen Jahr im Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft.

Vor jeder Saison führst du die obligatorischen Leistungstests durch, wie genau laufen diese ab?

Zunächst erfolgt eine allgemeine Anamneseerhebung, also ein Erfassen der Krankengeschichte, Medikamenteneinnahme, Allergien und von Ähnlichem. Im Anschluss folgt eine orientierende körperliche Untersuchung unter Berücksichtigung der Behinderung. Danach werden ein Lungenfunktionstest und ein Ruhe-EKG durchgeführt, bevor abschließend ein Belastungs-EKG ansteht. Bei auffälligen Befunden erfolgen dann gegebenenfalls weitere Untersuchungen bei uns oder bei Fachkollegen.

Du bist auch Teamarzt der U19-Fußballnationalmannschaft der Frauen. Wie unterscheiden sich die Aufgabengebiete dort zum Rollstuhlbasketball?

Bei den Frauen bin ich im Moment nur noch als Springer, da ich einfach nicht mehr Zeit habe. Urlaub und Überstunden geben eben nicht so viele Tage her, wie es erforderlich wäre. Deshalb bin ich dort auch nur bei Lehrgängen oder Spielen betreuender Mannschaftsarzt. Mit der Sporttauglichkeit habe ich bei der U19-Fußballnationalmannschaft der Frauen nichts zu tun. Andererseits ist das System im Fußball natürlich viel organisierter und strukturierter. Auch stehen deutlich mehr Personen zur Unterstützung zur Verfügung. Bei den Spielen gibt es häufig zwei Physiotherapeuten, einen Manager, mehrere Trainer, und einen Torwarttrainer.  Da ist einfach mehr Geld im System.

Auch über die Kooperation zwischen den HSV-Rollstuhlbasketballern und dem BG Klinikum Hamburg hinaus bist du dort in leitender Funktion tätig. Welche Themengebiete liegen in deiner Verantwortung und wie häufig bist du in diesem Zusammenhang im Kontakt mit Spielern der BG Baskets?

Als Leitender Oberarzt im BG Klinikum Hamburg bin ich Vertreter meines Chefarztes. Ansonsten leite ich den Bereich der berufsgenossenschaftlichen stationären Weiterbehandlung, einem Rehaverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung, vergleichbar mit einer Anschlussheilbehandlung. Ich betreue außerdem Sportler, die bei uns in stationärer Therapie sind, betreue die Nachuntersuchungen nach schweren Knieverletzungen sowie alle Patienten, die sich ambulant vorstellen. Hierbei handelt es sich nicht immer um Sportler. Bei Gesundheitsproblemen stehe ich den BG Baskets-Spielern als Ansprechpartner zur Verfügung. Hier geht es nicht immer nur um medizinische Probleme, sondern auch um Schreiben zur Anerkennung ihrer Behinderung gegenüber den Behörden oder Ähnlichem. Somit bin ich außerhalb der Spiele sicherlich ein- bis zweimal die Woche mit mindestens einem der Spieler in Kontakt.

Fotos: MSSP

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